Jede fünfte Person in Europa leidet an chronischen Schmerzen. Sie bestimmen oft den Alltag der Betroffenen, mindern die Lebensqualität erheblich und machen teils sogar erwerbsunfähig. Für das Gesundheitssystem sind chronische Schmerzen eine der größten Belastungen. Noch ist nicht genau geklärt, welche molekularen Mechanismen einen Schmerz chronisch machen. Rohini Kuner erforscht, welche Prozesse im Nervensystem dazu führen, dass Schmerzen „gelernt“ und dauerhaft im Körper gespeichert werden. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die neuronale Plastizität, d. h. die Fähigkeit von Nervenzellen, sich strukturell und funktional anzupassen. Aus Kuners Erkenntnissen ergeben sich neue therapeutische Ansätze für gezielte und langfristig wirksame Therapien.
Rohini Kuner studierte Pharmazeutische Biotechnologie an der University of Bombay in Indien und wurde 1994 an der University of Iowa in den USA promoviert. 2005 habilitierte sie sich an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. Dort hat sie seit 2006 eine W3-Professur für Pharmakologie und Toxikologie inne. Seit 2009 leitet sie das Pharmakologische Institut. Sie ist Sprecherin des DFG-Sonderforschungsbereichs „Von der Nozizeption zum chronischen Schmerz: Struktur-Funktions-Merkmale neuraler Bahnen und deren Reorganisation“. Für ihre Forschung wurde Kuner bereits vielfach ausgezeichnet – etwa mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland.
Der Jung-Preis für Medizin wird von der Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung seit 1976 vergeben. Er ist mit 300.000 Euro dotiert. Der Preis würdigt Forscherinnen und Forscher, die mit ihren Projekten maßgeblich zum Fortschritt der Humanmedizin beigetragen haben. Der Fokus liegt auf Forschungsarbeiten, die von besonderer klinischer Relevanz sind und Fortschritte in der Entwicklung neuer wirksamer Therapieansätze erwarten lassen.