Teja Tscharntke erforscht die Rolle der Biodiversität in naturnahen und bewirtschafteten Ökosystemen der Agrarlandschaft. Er untersuchte, wie landwirtschaftliche Nutzung auf die Artenvielfalt einwirkt, und belegte, wie sehr die Struktur der umgebenden Agrarlandschaft lokale Artenmuster und Prozesse bestimmen. Die Bedeutung der Landschaftsgestaltung für das lokale Ökosystem wies er sowohl in tropischen als auch gemäßigten Klimazonen nach. Wenn Landschaften für die Landwirtschaft so verändert werden, dass Vögel und Insekten keine Rückzugsräume mehr finden, wirkt sich das empfindlich auf ökologisch wichtige Funktionen wie die Bestäubung und die biologische Schädlingskontrolle aus. Zudem müssen Rückzugsräume so miteinander vernetzt sein, dass ein Austausch der Populationen gewährleistet ist. Tscharntke zeigte, dass der Anteil naturnaher Flächen in einer Landschaft für die Artenvielfalt wichtiger ist als deren Fragmentierungsgrad und somit die Erhaltung auch sehr kleiner Lebensräume zählt. Seine Forschung trug maßgeblich dazu bei, die Bedeutung der Zusammensetzung und räumlichen Anordnung der Ökosysteme in Agrarlandschaften für die Landwirtschaft empirisch zu belegen. Er konnte nachweisen, welche Maßnahmen besonders geeignet sind, um Artenvielfalt und damit auch lange übersehene Ökosystemleistungen wie die Bestäubung der Nutzpflanzen in der Agrarlandschaft zu fördern.
Teja Tscharntke ist Biologe und Soziologe. Nach Stationen an den Universitäten Marburg, Hamburg und Karlsruhe ist er seit 1993 Professor und Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Er bringt seine Expertise auch in vielen wissenschaftlichen Beiräten ein, beispielsweise seit 2020 im Wissenschaftlichen Beirat des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland, seit 2024 im Wissenschaftlichen Beirat für den Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und seit 2025 im Wissenschaftsforum zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030. Tscharntke wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u. a. 2021 mit der Ehrenmedaille der Gesellschaft für Ökologie, 2020 mit dem Marsh Award für Ökologie durch die Britische Ökologische Gesellschaft und 2020 mit dem Award for Insect Conservation der Royal Entomological Society. Er ist seit 2015 jedes Jahr „Highly Cited Researcher“. 2025 wurde er Mitglied der Academia Europaea.
Die Mendel-Medaille wurde 1965 zu Ehren Gregor Mendels (1822–1884), dem Begründer der Vererbungslehre, gestiftet. Mit der Auszeichnung würdigt die Leopoldina Pionierleistungen auf dem Gebiet der allgemeinen und molekularen Biologie oder Genetik. Die Preisverleihung an Teja Tscharntke findet am Mittwoch, 15. April 2026 statt.