Die Entdeckung des Metaorganismus – wie Mikroben die Entwicklung, das Verhalten und die Evolution im Tierreich prägen
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- Ort Hauptgebäude der Leopoldina Jägerberg 1 06108 Halle (Saale)
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Die Evolution der Tiere ist untrennbar mit Mikroben verknüpft. Diese Mikroorganismen haben nicht nur über Millionen von Jahren mit Tieren koexistiert, sondern deren Entwicklung und evolutionäre Wege aktiv mitgestaltet. Ihr Einfluss reicht von zellulären und genetischen Prozessen bis hin zur Organisation ganzer Ökosysteme und treibt fortwährend neue evolutionäre Innovationen und Anpassungen an.
Am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra wird der Vortrag zeigen, dass tierische Entwicklung und Verhalten möglicherweise nie vollständig autonom waren, sondern stets von vorübergehenden oder dauerhaften Interaktionen mit der mikrobiellen Umwelt abhängig sind. Die Einbeziehung der Mikrobiom-Perspektive und die Betrachtung von Organismen als Metaorganismen eröffnet dabei ein tiefes Verständnis für das dynamische Zusammenspiel, das Gesundheit, Anpassungsfähigkeit und letztlich die Struktur des Lebens prägt. Die Vorlesung soll dazu anregen, Symbiose und mikrobielle Dynamik als grundlegende Mechanismen zu begreifen, die die Vielfalt und Komplexität des tierischen Lebens auf unserem Planeten überhaupt erst ermöglicht haben.
Thomas Bosch
Thomas Bosch ist Zoologe und vergleichender Entwicklungsbiologe. Von 2000 bis 2024 war er Professor für Allgemeine Zoologie an der Universität Kiel und arbeitet seitdem als Senior Research Professor an derselben Einrichtung. Seit November 2013 leitet er dort das interdisziplinäre Forschungszentrum „Kiel Life Science“ (KLS). Bosch war Gründungsdirektor des Sonderforschungsbereichs „Entstehung und Funktion von Metaorganismen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der sich mit der Rolle multi-organismischer Interaktionen für Gesundheit und Krankheit befasst. 2022 hat er für seine Arbeiten den Wissenschaftspreis der DZG, die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille, erhalten. Als ausgewiesener Vordenker hinsichtlich der Schlüsselrolle von Mikroben in den Lebenswissenschaften, setzt er sich für die weitere Etablierung des neuen wissenschaftlichen Konzeptes ein, alle Lebewesen als Holobionten oder Metaorganismen zu betrachten.
Programm/Zeitplan
17:00 Uhr | Urkundenübergabe an die neuen Mitglieder der Klasse II – Lebenswissenschaften
18:15 Uhr | Verleihung der Mendel-Medaille 2026
Laudatio: Prof. Dr. Roland Lill, Sprecher der Klasse II
Kurzvortrag des Preisträgers: „Landschaftsperspektiven auf Agrarökologie und funktionale Biodiversität“, Prof. Dr. Teja Tscharntke, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen
18:45 Uhr | Leopoldina-Vorlesung
„Die Entdeckung des Metaorganismus – wie Mikroben die Entwicklung, das Verhalten und die Evolution im Tierreich prägen”, Prof. Dr. Thomas Bosch ML, Zoologisches Institut, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel