In der Arktis sind tiefgreifende Veränderungen zu beobachten. So hat sich die Region im hohen Norden in den vergangenen vier Jahrzehnten fast viermal so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Seit Beginn der Industrialisierung stieg die Durchschnittstemperatur in manchen Regionen der Arktis nach Angaben des Umweltbundesamtes um 5 Grad Celsius. Grund für den beschleunigten Wandel sind besondere Rückkopplungseffekte: Diese „arktische Verstärkung“ – ist einerseits Ergebnis, andererseits Triebkraft einer Reihe miteinander verbundener Prozesse. Permafrostböden tauen auf und setzen Gase wie Kohlenstoffdioxid und Methan frei, die das Klima beeinflussen; infolge des Tauens bröckeln die Küsten und brechen ab. Häufigere Dürren führen häufiger zu großflächigen Waldbränden, die ebenfalls klimawirksame Gase freisetzen. An Land wie im Meer ist sowohl das biogeochemische als auch das ökologische Gleichgewicht stark gestört.
Die Veränderungen beschränken sich jedoch nicht auf die Arktis. „Die Arktis ist die Drehscheibe für zahlreiche klimatische Prozesse von globaler Bedeutung“, erklärt der Geowissenschaftler und Klimaphysiker Thomas Stocker. Die Arktis ist die Quelle des nördlichen Tiefenwassers, sie fungiert via Meereisbedeckung als „Kühlsystem“ über die Region hinaus und ist bei zunehmender Erwärmung potenzielle Quelle zusätzlicher Treibhausgasemissionen. Stocker betont: „Was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis.“
Die Stellungnahme der sieben Wissenschaftsakademien zeichnet ein klares Bild der weitreichenden Folgen: Das beschleunigte Schmelzen des grönländischen Eisschilds werde zum schnelleren Anstieg des Meeresspiegels beitragen und dadurch tief liegende Küstenregionen weltweit bedrohen. Auch könnte die Erwärmung in der Arktis Meeresströmungen verändern, die daraufhin die Ozeanwärme weltweit anders verteilen – mit Folgen für das Wetter und regionale Klimamuster.