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Patrick Cramer wird Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Patrick Cramer wird Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Prof. Dr. Patrick Cramer
Foto: MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften

Der Chemiker und Molekularbiologe Patrick Cramer ist zum künftigen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft gewählt worden. Er tritt das Amt im Juni 2023 an und folgt auf den bisherigen Präsidenten, den Elektrochemiker und Materialwissenschaftler Martin Stratmann. Patrick Cramer ist geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen und Honorarprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen. Der Leopoldina gehört er seit 2009 an.

Das Hauptaugenmerk von Patrick Cramers Forschung liegt auf der sogenannten Gentranskription, also der Art, wie Zellen im Erbgut gespeicherte Informationen auslesen. Er hat die dreidimensionale Struktur der RNA-Polymerase, eines der größten Enzyme im Zellkern, entschlüsselt und dadurch wesentliche Teile des Transkriptions-Mechanismus aufgeklärt. Seine Ergebnisse bilden die Grundlage dafür, Krankheiten wie Krebs, bei denen die Transkription des Genmaterials fehlgesteuert ist, besser erforschen zu können. Mit seinem Team trug er auch zu wichtigen Erkenntnissen über das Coronavirus bei. So gelang es den Forschenden, sichtbar zu machen, wie Sars-CoV-2 sein Erbgut kopiert und aufzuklären, wie die Covid-19-Medikamente Remdesivir und Molnupiravir diesen Vorgang unterbinden können.

Patrick Cramer studierte Chemie in Stuttgart, Heidelberg, Bristol/UK und Cambridge/UK und wurde 1998 in Heidelberg im Fach Biochemie promoviert. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Stanford/USA war er von 2001 bis 2014 Professor für Biochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2014 wurde er Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, das 2022 nach einer Fusion mit dem Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin im Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften aufging. Diesem steht er heute als geschäftsführender Direktor vor. Seit 2017 ist er außerdem Honorarprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen. Patrick Cramer wurde für seine Forschungen mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 2021 unter anderem den Hector Wissenschaftspreis und den Louis-Jeantet-Preis für Medizin. 2016 wurde er mit dem ERC Advanced Investigator Grant ausgezeichnet und 2015 mit dem Arthur Burkhardt-Preis. Zudem ist er Preisträger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2006) und Träger des Bundesverdienstkreuzes (2012). 2020 nahm ihn die National Academy of Sciences (NAS), die Nationale Akademie der Wissenschaften in den USA, als internationales Mitglied auf. Der Leopoldina gehört Patrick Cramer seit 2009 als Mitglied in der Sektion Biochemie und Biophysik an.

Die Max-Planck-Gesellschaft zählt mit bisher 29 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern zu den erfolgreichsten und angesehensten Forschungsinstitutionen Deutschlands und weltweit. Sie ging 1948 aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hervor und betreibt heute in ihren 86 Instituten und Einrichtungen Grundlagenforschung in den Natur-, Lebens- und Geisteswissenschaften. Der amtierende Präsident Martin Stratmann, seit 2020 ebenfalls Mitglied der Leopoldina, stand neun Jahre an der Spitze der Max-Planck-Gesellschaft.