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Prof. Dr.

Sir Martin Ryle

Nobelpreis für Physik 1974

Wahljahr: 1974
Sektion: Astronomie und Astrophysik
Stadt: Cambridge
Land: Großbritannien
CV Sir Martin Ryle D - PDF

Forschung

Sir Martin Ryle war ein britischer Astrophysiker. Er entwickelte ein neuartiges Radioteleskop-System, mit dem sich die Position schwacher Radioquellen genau bestimmen ließ. Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Radioastrophysik wurde er 1974 gemeinsam mit Antony Hewish mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Werdegang

Martin Ryle begann 1936 ein Physikstudium am zur University of Oxford gehörigen College in Christchurch. Dort baute er gemeinsam mit Kommilitonen eine Amateurradiostation auf. Er schloss sein Studium 1939 ab.

Während des Zweiten Weltkriegs war er an der Entwicklung des Radars beteiligt. Nach dem Krieg ging er – ausgestattet mit einem Stipendium – an das Cavendish Laboratory der University of Cambridge. Dort war er von 1948 bis 1959 Dozent. Zunächst arbeitete er über Radiowellen und konzentrierte sich später auf die Entwicklung von Radioteleskopen. 1957 wurde er Direktor des Mullard Radio Astronomy Observatory in Cambridge. 1959 erhielt er eine Professur für Radioastronomie am Trinity College der University of Cambridge. Von 1972 bis 1982 war er Königlicher Astronom.

Nobelpreis

Martin Ryle wollte die technischen Möglichkeiten von Radioteleskopen verbessern. Er entwickelte die Apertur-Synthese-Technik. Mit ihrer Hilfe konnten mehrere Radioteleskope zusammengeschaltet werden. So ließ sich eine hohe Auflösung erreichen, so dass auf Himmelskörpern winzige Details erkennbar wurden.

Ryle arbeitete zunächst mit Parabolantennen, die wie eine Schüssel geformt sind und die Radiosignale zu einem einzelnen, zentralen Dipol reflektieren. Ihr Auflösungsvermögen wird von ihrem Durchmesser, der so genannten Apertur, bestimmt. Da die Herstellung vor allem großer Parabolantennen aufwendig und kostspielig ist, wählte Ryle einen anderen Weg. Er schaltete auf einer Strecke von fünf Kilometern mehrere räumlich verteilte Teleskope zusammen. Dieses Prinzip führte zu einer neuen Dimension der Auflösung. Inzwischen ist es möglich, Teleskope über extreme Distanzen zusammenzuschalten, so dass virtuell riesige Antennen entstehen. Durch Ryles Arbeiten wurde die physikalische Charakterisierung von Sternen und Sternsystemen enorm vorangetrieben.

Für seine Arbeiten in der Radioastrophysik wurde Martin Ryle 1974 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung wurde erstmals in der Geschichte ein Nobelpreis für astronomische Forschungen verliehen.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Ryle zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Hughes Medal der Royal Society London (1954), Van der Pol Medal (1963), Gold Medal der Royal Astronomical Society, London (1964), Henry Draper Medal der U.S. National Academy of Sciences sowie den Holweck-Preis der Societé Française de Physique (beide 1965), Morris N. Liebmann Award und die Faraday Medal der Institution of Electrical & Electronic Engineers, außerdem die Popov-Medaille der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Michelson Medal, Franklin Institute (alle 1971), Royal Medal der Royal Society of London (1973) und die Bruce Medal der Astronomical Society of the Pacific (1974).

Er war Mitglied vieler Akademien und wissenschaftlicher Einrichtungen, darunter der Royal Society London (1952), der Königlich-Dänischen Akademie der Wissenschaften (1968), der American Academy of Arts and Sciences (1970), der Akademie der Wissenschaften der U.d.S.S.R. (1971) und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1974).

Er war Ehrendoktor der Universitäten von Strathclyde in Glasgow (1968), Oxford (1969) und der Nikolaus-Kopernikus-Universität Torun, Polen (1973).

Zur Person

Martin Ryle wurde am 27. September 1918 als zweites von fünf Kindern von John A. Ryle und seiner Frau Miriam Scully in Brighton geboren. Sein Vater war der erste Inhaber des Lehrstuhls für Sozialmedizin an der University of Oxford. Sein Onkel Gilbert Ryle hatte ebenfalls einen Lehrstuhl in Oxford und gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Martin Ryle, seine beiden Brüder sowie die beiden Schwestern wurden anfangs von einer Hauslehrerin unterrichtet. Später ging Martin auf die Gladstone´s Preparatory School in London. Als 13-Jähriger wechselte er ans Bradfield College in Bradfield, Berkshire, das er 1936 abschloss. Dort entwickelte sich sein Interesse für Radiotechnik.

1947 heiratete er Rowena Palmer. Das Paar bekam die Töchter Alison und Claire sowie den Sohn John.

In seinen späteren Lebensjahren setzte Ryle sich für die nukleare Abrüstung ein. Er war Funkamateur und baute kleine Boote, mit denen er selbst segelte.

Martin Ryle starb am 14. Oktober 1984 in Brighton. Sein Konterfei ist auf einer 2009 erschienen, zu einem Satz bedeutender Briten gehörigen Briefmarke zu sehen.

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