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Pressemitteilung | Freitag, 10. Juli 2015

Deutsch-französische Erklärung zur Energiewende

Nationale Akademien zeigen Möglichkeiten für engere Zusammenarbeit auf

In Vorbereitung der 21. UN-Klimakonferenz (COP21) haben die französischen und die deutschen Akademien für Wissenschaft und für Technik eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie sich für eine engere Partnerschaft zwischen den beiden Ländern einsetzen. Das Statement formuliert grundlegende Aufgaben für die Zukunft, zu denen die Deckung des weltweiten Energiebedarfs, die Verringerung des Energieverbrauchs in den Industrieländern und die Verringerung der weltweiten Treibhausgasemissionen gehören.

Zwar haben Frankreich und Deutschland unterschiedliche Wege im Hinblick auf ihr Stromerzeugungssystem eingeschlagen (das nur etwa 25 % ihres Energieverbrauchs ausmacht), doch sie haben auch viele gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. Beide Länder können Wissen teilen und von den Erfolgen und Problemen des jeweils anderen lernen Sie können zukünftige Herausforderungen erkennen und Bereiche für eine engere Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik identifizieren. Die vier Akademien schlagen deshalb mehrere Querschnittsthemen vor (Energieeffizienz, Stromnetze, Mobilität, Kerntechnik, erneuerbare Energien und Energiespeicherung, soziale und wirtschaftliche Aspekte), die von einer engeren wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit der beiden Länder profitieren könnten. Außerdem betonen sie die Notwendigkeit einer stärkeren Wahrnehmung von Energiefragen und ihren Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Schließlich mahnen die Akademien eine systemische Herangehensweise für eine EU-weite Energiepolitik an.

Zur Bewältigung der Herausforderungen einer Energiewende, die auf eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen abzielt, betonen die Akademien die zentrale Bedeutung von Wissenschaft, Technik und industrieller Entwicklung. Sie möchten die Energiefragen durch eine systemische Herangehensweise lösen, in der Umweltziele, gesellschaftliche Erwartungen, wirtschaftliche Ziele und die Versorgungssicherheit ins Gleichgewicht gebracht werden. Insbesondere befürworten die Akademien umfangreiche Finanzierungsprogramme für Forschung und Entwicklung im Energiebereich, die auf Grundlagenforschung für langfristige Querschnittsthemen und auf innovative Strategien beruhen und gleichzeitig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie verbessern. Sie fordern eine Intensivierung der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technik und Industrie in den Schwerpunktbereichen Energieeffizienz, Netzinfrastruktur, Smart Grids, Mobilität, Sicherheit und Entsorgung von Atommüll, Fusion, erneuerbare Energien, Energiespeicher sowie die Einbeziehung der sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Energiewende. Die Akademien betonen, wie wichtig es ist, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Energiefragen und die damit verbundenen Einschränkungen zu schärfen.

Die Akademien begrüßen die EU-weiten gemeinsamen Programme für neue wissenschaftliche und technische Strategien zur Energieerzeugung und  nutzung. Sie stellen heraus, dass eine Priorisierung, eine Einigung auf Förderprogramme und die Zuweisung von Mitteln integrale Bestandteile der zukünftigen europäischen Energiepolitik sein müssen. Sie fordern eine EU-weite, mit den langfristigen Zielen der Energiewende übereinstimmende Politik, die auf Kompatibilität mit den in anderen Teilen der Welt verfolgten Strategien abzielt.

Sie weisen außerdem darauf hin, dass die europäischen Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen erheblich größeren Nutzen bringen würden, wenn eine das Ziel der Minderung von Treibhausgasen weltweit vereinbart würde. Die Akademien unterstützen die Reform des EU-weiten Emissionshandelssystems und stellen fest, dass der Beteiligung von Nicht-EU-Ländern an diesem System hohe Priorität eingeräumt werden sollte. Die Akademien ermutigen beide Regierungen, auf ein ehrgeiziges internationales Abkommen im Kontext von COP21 hinzuarbeiten. Sie schlagen außerdem die Einrichtung eines deutsch-französischen beratenden Forschungsausschusses unter Leitung der Akademien vor, in dem Forschungsbereiche von beiderseitigem Interesse sowie Forschungsschwerpunkte in Verbindung mit der Energiewende diskutiert werden könnten.

Downloads

Joint Statement on the Energy Transition in France and Germany

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Leopoldina

Caroline Wichmann

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