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Pressemitteilung | Freitag, 6. April 2001

Presseinformation 7/2001

Akademie Leopoldina ehrt die Wissenschaftler Professor Dr. Jörg Hacker (Würzburg) und Professor Dr. Martin E. Schwab (Zürich) mit der Carus-Medaille für ihre naturwissenschaftlichen Forschungsleistungen.

Professor Dr. Jörg Hacker (Würzburg): für seine Arbeiten zur Analyse krankmachender Eigenschaften von Mikroorganismen:

Mikroorganismen, Bakterien, Pilze oder Parasiten sind weltweit verbreitet und begegnen uns täglich. Allerdings löst nur ein kleiner Teil der Mikroben beim Menschen Infektionskrankheiten aus. Was also macht Mikroben zu Krankheitserregern?

Dieser Frage ist Jörg Hacker vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg in den vergangenen Jahren nach-gegangen. Er hat zeigen können, dass einige Stämme des Bakteriums Escherichia coli in ihrem Genom DNA-Abschnitte enthalten, die für Toxine und andere krankmachende Faktoren verantwortlich sind ("Pathogenitätsinseln"). Nur wenn ein Mikroorganismus solche DNA-Abschnitte enthält, löst er Krankheiten aus. Diese krankmachenden DNA-Sequenzen sind bevorzugt auf Gen-Abschnitten wie Plasmiden und Bakteriophagen angeordnet, die mobil sind und dadurch leicht auf andere Bakterienstämme übertragen werden können (horizontaler Gentransfer). Die Erkenntnisse über eine solche Gen-Organisation hat völlig neue Sichtweisen auf die Plastizität des Genoms pathogener Mikroorganismen eröffnet. Die Kenntnis von Pathogenitätsfaktoren ermöglicht neue Entwicklungen zur Diagnose, Therapie und Vorbeugung von Infektionskrankheiten.

Hacker erhält die Carus-Medaille der Leopoldina für seine, wie es in der Urkunde heißt, "pathogenitätsanalytischen Arbeiten zu Virulenz- und Resistenzmechanismen sowie bakteriellen Pathogenitätsinseln".
 
Professor Dr. Martin E. Schwab (Zürich) für seine Arbeiten zur Regeneration von Faserbahnen im zentralen Nervensyste:

Können Querschnittsgelähmte bald hoffen? Noch gibt es nur kleine Hoffnungsschimmer, aber die jüngsten Arbeiten von Martin E. Schwab haben entscheidend dazu beigetragen, dass die bisherige Hoffnungslosigkeit positive Impulse erhält.

Im Jahr 1985 formulierte Schwab das Konzept, welches das fehlende Regenerationsvermögen des zentralen Nervensystems (ZNS) erklären könnte. Hypothese war die Existenz von möglichen Nervenwachstumsinhibitoren. Er konnte mit seiner Gruppe in Zürich die Existenz wirksamer wachstumshemmender Proteine im ZNS, insbesondere im Myelin von Oligodendrozyten, nachweisen. Durch den Einsatz von Antikörpern gelang es ihm, anatomisch und funktionell eindeutig eine Regeneration verletzter Faserbahnen im Gehirn und im Rückenmark von Versuchstieren zu erreichen. Seine Experimente haben erstmals den molekularen Mechanismus aufgezeigt, der für das fehlende Regenerationsvermögen des ZNS verantwortlich ist. Schwab’s Befunde haben einem Gebiet, in dem sowohl im Bereich der Klinik wie in der Forschung Hoffnungslosigkeit dominierte, neue Impulse verliehen. An der Übertragung der Resultate in erste klinische Experimente wird zur Zeit intensiv gearbeitet.

Schwab erhält die Carus-Medaille der Leopoldina für seine, wie es in der Urkunde heißt, "Pionierarbeiten zur verletzungsbedingten Regeneration im zentralen Nervensystem, besonders zum Wirkungsmechanismus des Nervenwachstumsfaktors".
 

Zu den Preisträgern:

Professor Jörg Hacker (Würzburg)

Jörg Hacker wurde 1952 in Grevesmühlen/ Mecklenburg geboren, studierte Biologie an der Martin-Luther-Universität in Halle und spezialisierte sich im Studium auf die Fachrichtung Genetik. Während seiner Diplomarbeit am Institut für Experimentelle Epidemiologie in Wernigerode begann er, sich mit bakterieller Pathogenität zu beschäftigen. Dort erfolgte auch die Promotion im Jahr 1979. Seit 1980 ist er in Würzburg tätig, zuerst am Institut für Genetik und Mikrobiologie. Seit 1993 hat er den Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie an der Universität Würzburg inne. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und ist Mitglied der Akademie Leopoldina seit 1998.
 
Prof. Martin E. Schwab (Zürich)

Martin Schwab wurde 1949 in Basel geboren. Er studierte Zoologie an der Universität Basel und habilitierte dort 1978. Nach einem Forschungs-aufenthalt als Visiting Scientist am Department of Neurobiology der Harvard Medical School in Boston begann er 1979 als Forschungsgruppenleiter am Max Planck Institut für Psychiatrie in Martinsried. Im Jahr 1985 wurde er Außerordentlicher Professor für Neurowissenschaften am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich. Seit 1997 ist er Ordentlicher Professor sowohl an der Universität wie auch an der ETH Zürich. Er ist Vorsitzender des Zentrums für Neurowissenschaften der beiden Züricher Hochschulen, der Universität und der ETH. Schwab erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise.

Preis und Preisvergabe:

Die Preisvergabe erfolgt am 6. April 2001 im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Jahresversammlung in Halle (Saale).

Die Carus-Medaille geht auf eine Stiftung aus Anlass des 50. Professorenjubiläums des XIII. Präsidenten der Akademie Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789-1869), zurück. Sie wurde 1896 erstmals vergeben. Seit 1961 ist sie mit dem von der Stadt Schweinfurt gestifteten Carus-Preis von 10.000 DM verbunden. Die Carus-Medaille wird in der Regel an jüngere Wissenschaftler für bedeutende naturwissenschaftliche oder medizinische Forschungsleistungen vergeben.

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Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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