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Pressemitteilung | Mittwoch, 4. September 2019

Pflanzen im Klimawandel, Gedächtnisforschung und die Geschichte der Meteorologie: Leopoldina ehrt wissenschaftlichen Nachwuchs für besondere Forschungsleistungen

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung ihrer Jahresversammlung am Freitag, 20. September 2019, in Halle (Saale) zeichnet die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina drei Nachwuchsforscherinnen und- forscher aus. Den Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler erhalten Moises Exposito-Alonso, Stanford, und Monika Schönauer, Princeton, für ihre herausragenden Forschungsleistungen auf den Gebieten der Populationsgenomik und der Gedächtnisforschung. Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte wird Linda Richter, Frankfurt am Main, für ihre Dissertation zur Geschichte der Meteorologie geehrt.

Dr. Moises Exposito-Alonso (Jahrgang 1990) studierte Biologie sowie quantitative Genomik in Sevilla, Spanien und Edinburgh, Schottland. Im Oktober 2018 wurde er am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen promoviert. In seiner Forschung befasst sich Exposito-Alonso mit der genetischen Variation und Anpassung von Pflanzen unter den Bedingungen des Klimawandels. Dabei verbindet er die Perspektive der Populationsgenomik mit experimenteller Ökologie. Im Rahmen seiner Promotion führte er parallel in Tübingen und Madrid einen aufwändigen Feldversuch mit der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (Kleine Ackerschmalwand) durch. Dabei wies er anhand einer großen Stichprobe an Einzelpflanzen erstmals statistisch nach, dass viele der genetischen Varianten, die an niederschlagsreiche Umgebungen angepasst sind, bei Trockenheit nur schlecht überleben, während für Dürre vorteilhafte Varianten sich bei guter Bewässerung schlechter entwickeln.

Nach seiner Promotion arbeitete Exposito-Alonso zunächst als Postdoc Researcher im Bereich Statistische Genetik an der University of California Berkeley, USA. Seit kurzem leitet er eine Forschungsgruppe am Carnegie‘s Department of Plant Biology in Stanford, USA, in der er sich mit seinem Team verstärkt der Bioinformatik beziehungsweise Methoden maschinellen Lernens zuwendet.

Dr. Monika Schönauer (Jahrgang 1988) beschäftigt sich mit Gedächtnisforschung. Nach dem Studium der Psychologie wurde sie 2014 zur Rolle des Schlafs bei der Gedächtnisbildung an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Nach der Promotion nahm sie eine Stelle als Postdoc am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen an. Gemeinsam mit weiteren Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konnte Schönauer anhand experimenteller Studien die bisherige Annahme widerlegen, dass der Hippocampus für die schnelle Speicherung von Informationen alleinverantwortlich sei. So konnte das Forschungsteam zeigen, dass sich unter bestimmten Bedingungen auch in der Großhirnrinde innerhalb kurzer Zeit Gedächtnisspuren bilden können.

Seit 2018 wird Schönauer durch das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm gefördert. Mit einem DFG-Forschungsstipendium arbeitet sie derzeit am Neuroscience Institute der Princeton University, USA. Für ihre Forschungen wurde sie bereits von der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA) mit dem Brain Products Young Investigator Award sowie dem Early Career Award ausgezeichnet.

Der Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte wird dieses Jahr an Dr. Linda Richter (Jahrgang 1988) für ihre Dissertation „Semiotik, Physik, Organik. Formen des Wissens vom Wetter, 1750–1850“ überreicht. In ihrer Arbeit geht Richter der Vorgeschichte der modernen Meteorologie im deutschsprachigen Raum nach. Sie fragt, was Menschen über das Wetter dachten, bevor sich die Wetterkunde in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Physik der Atmosphäre wandelte. Dazu untersucht sie drei unterschiedliche historische Ansätze, die je unterschiedliche Ansätze zur pflegten, um die Kausalität des Wettergeschehens zu ergründen: die Erforschung von Naturgesetzen, die Sammlung von Wetterzeichen sowie die ganzheitliche Betrachtung des Wetters als Teil eines natürlichen Organismus.

Richter hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sonderforschungsbereichs „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. Seit 2019 arbeitet sie dort als wissenschaftliche Assistentin der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte des Historischen Seminars.

Zu den Preisen: Seit 2009 vergibt die Leopoldina aus Mitteln der Karl-Lohmann-Schenkung zweijährlich einen mit ursprünglich 2.000 Euro dotierten Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, deren Promotion nicht länger als 5 Jahre zurückliegt und die sich durch eine bemerkenswerte Leistung auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet ausgewiesen haben. Durch die Unterstützung des Leopoldina Akademie Freundeskreis e.V. kann der Preis seit 2015 an zwei Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler verliehen werden und ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte, der den Namen des Wissenschaftshistorikers Georg Uschmann (1913–1986) trägt, zeichnet die Leopoldina alle zwei Jahre eine hervorragende wissenschaftshistorische Dissertation aus. Gestiftet wurde der Preis im Jahr 1997 von Ilse und Eugen Seibold. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.

Ansprechpartner:
Dr. Jörg Beineke
Wissenschaftlicher Referent des Präsidiums
Tel.: +49 (0)345 472 39 – 954
E-Mail: joerg.beineke@leopoldina.org


KONTAKT

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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