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Pressemitteilung | Freitag, 25. September 2020

Der Chemiker Robert Schlögl ist neuer Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Der Senat der Leopoldina hat gestern einen neuen Vizepräsidenten und eine neue Sekretarin gewählt. Der Chemiker und Katalyseforscher Prof. Dr. Robert Schlögl (Mülheim an der Ruhr, Berlin) ist nun einer der vier Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten der Akademie. Er folgt auf den Physiker Prof. Dr. Gunnar Berg (Halle/Saale), der nach zwei Amtszeiten aus dem Amt ausscheidet. Der Senat wählte außerdem die Historikerin Prof. Dr. Ute Frevert (Berlin) als Sekretarin der Klasse IV (Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften) der Leopoldina. Sie folgt auf den Psychologen Prof. Dr. Frank Rösler (Hamburg), der dieses Amt zehn Jahre lang wahrgenommen hat. Aus dem Präsidium scheidet zudem der Medizinhistoriker Prof. Dr. Heinz Schott (Bonn) aus, der zehn Jahre lang als Beauftragter des Präsidiums für Archiv, Bibliothek und Langzeitvorhaben mit beratender Stimme in dem Gremium vertreten war. Für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Vizepräsidentin und als Präsidiumsmitglied wiedergewählt wurden die Pflanzengenetikerin Prof. Dr. Ulla Bonas (Halle/Saale) und der Informatiker Prof. Dr. Thomas Lengauer (Saarbrücken).

Robert Schlögl befasst sich mit Fragen der Gewinnung, Speicherung und des Transports von Energie. Dazu erforscht er Energieumwandlungsprozesse der Natur und die Bedeutung von Katalysatoren bei diesen Prozessen. In einzelnen Forschungsprojekten beschäftigt er sich zum Beispiel mit der Umwandlung von Licht in elektrische Energie, Speichermaterialien für Wasserstoff, der katalytischen Spaltung von Wasser und der Weiterentwicklung von Brennstoffzellen. Ziel der Forschungen ist die Entwicklung neuer leistungsfähiger Katalysatoren. Schlögl möchte die grundlegenden chemischen Reaktionen dieser Prozesse verstehen, um sie für neue Energiesysteme nutzen zu können.

Schlögl ist seit 2011 Mitglied der Leopoldina in der Sektion Chemie. Seitdem hat er sich vielfältig in die Aufgaben der Akademie eingebracht, insbesondere in die wissenschaftsbasierte Politikberatung. So war Schlögl Mitinitiator des Projekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS), mit dem die deutschen Wissenschaftsakademien die Energiewende begleiten. Von 2013 bis 2017 leitete er ESYS als Vorsitzender des Steuerkreises. Schlögl ist Mitautor mehrerer Stellungnahmen der Leopoldina. Unter anderem arbeitete er im Frühjahr an der Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden“ mit. Er war außerdem an der im Juni dieses Jahres erschienenen Ad-hoc-Stellungnahme „Energiewende 2030: Europas Weg zur Klimaneutralität“ sowie der 2019 veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme „Klimaziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen“ beteiligt.

Ute Frevert ist Historikerin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Geschichte moderner Gesellschaften und deren kulturelle Systeme. Frevert untersucht, welche Handlungsfelder Frauen und Männern zugewiesen wurden und wie (und warum) sich diese Zuweisungen änderten. In diesem Kontext bearbeitet sie Themen wie die soziale und kulturelle Codierung von Gewalt, etwa im Duell und beim Militär, oder auch die Produktion von Ehre und Empathie. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Entwicklung europäischer Identitäten und Identifikationen sowie die Geschichte der politischen Kommunikation, vor allem zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten des Staates. 2008 etablierte sie die Geschichte der Gefühle (Emotionsgeschichte) als eigenständiges Forschungsfeld zwischen Geschichtswissenschaft und Psychologie. Frevert ist seit 2004 Mitglied der Leopoldina in der Sektion Kulturwissenschaften. Sie ist Mitautorin der jüngst veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina „Coronavirus-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“.

Die Senatssitzung mit der Wahl neuer Präsidiumsmitglieder findet in der Regel am Vorabend der Leopoldina-Jahresversammlung statt. Coronabedingt ist die ursprünglich für dieses Jahr geplante Versammlung zum Thema „Biodiversität und die Zukunft der Vielfalt“ auf den September 2021 verschoben worden.

Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7-Gipfel. Sie hat 1.600 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.

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Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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