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Pressemitteilung | Mittwoch, 1. September 2021

Leopoldina ehrt Nikolaus Pfanner mit der Schleiden-Medaille für seine Erkenntnisse über Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeichnet Nikolaus Pfanner mit der Schleiden-Medaille aus. Der Mediziner und Zellbiologe erhält die Ehrung für seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zum Aufbau und zur Funktion der Mitochondrien.

Prof. Dr. Nikolaus Pfanner (Jahrgang 1956) ist Mediziner und Zellbiologe. Er hat entscheidend zum Verständnis des Membransystems der Mitochondrien beigetragen. Mitochondrien sind funktionelle Bestandteile von Zellen. Sie werden auch als Zellkraftwerke bezeichnet, weil sie einen Großteil des energiereichen Adenosintriphosphats (ATP) der Zellen produzieren. Darüber hinaus spielen sie bei vielen anderen Stoffwechselvorgängen und beim programmierten Zelltod eine wichtige Rolle. Nikolaus Pfanner war weltweit der Erste, der mit seinem Forschungsteam die Zusammensetzung dieser Zellorganelle entschlüsselt hat, indem er die Gesamtheit der darin vorkommenden Proteine, das Proteom, analysierte. Zudem gewann er viele Erkenntnisse darüber wie Proteine, die in den Zellkraftwerken aktiv sind, an ihren Wirkungsort gelangen. Denn von den mehr als 1.000 Proteinen, die in Mitochondrien vorkommen und die für die vielfältigen Funktionen benötigt werden, entsteht nur ein Bruchteil auf der Grundlage der eigenen Erbinformation der Mitochondrien. Für etwa 99 Prozent befindet sich die Bauanleitung im Zellkern, sie werden in der Zellflüssigkeit produziert und gelangen danach in die Zellkraftwerke. Auf diesem Weg spielen die beiden Membranen der Mitochondrien eine wichtige Rolle. Nikolaus Pfanner identifizierte darin Rezeptoren, Transportkanäle und komplexe Mechanismen zur Sortierung. Er fand heraus, aus welchen Eiweißen sich Membrantransportmaschinerien zusammensetzen und wie sie reguliert werden. Viele seiner Erkenntnisse haben Eingang in die Lehrbücher für Zellbiologie und Biochemie gefunden. Darüber hinaus hat er zum Verständnis von Krankheiten beigetragen, da Fehlfunktionen des Proteintransports zu schweren Krankheiten, insbesondere des Nervensystems und der Muskulatur, führen können.

Nikolaus Pfanner hat in München Medizin studiert und sich dort bereits im Rahmen seiner Promotion mit dem mitochondrialen Proteinimport beschäftigt. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Princeton University in den USA, kehrte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München als Gruppenleiter zurück. 1990 habilitierte er sich im Fach Physiologische Chemie. Seit 1992 ist er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Professor für Biochemie und Direktor am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Medizinischen Fakultät. Pfanner ist seit dem Jahr 2000 Mitglied der Leopoldina. Für seine Forschungserkenntnisse wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2002 mit dem Max-Planck-Forschungspreis, 2004 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, 2008 mit dem Landesforschungspreis Baden-Württemberg, 2014 mit dem US-amerikanischen Stein and Moore Award und 2015 mit der Otto-Warburg-Medaille. Seine zahlreichen Veröffentlichungen wurden bereits mehr als 27.000-mal von Fachkolleginnen und -kollegen zitiert.

Die Schleiden-Medaille ist nach dem Akademie-Mitglied Matthias Jacob Schleiden (1804–1881) benannt. Der Botaniker ist Mitbegründer der Zelltheorie. Die Medaille wird seit 1955 von der Leopoldina für hervorragende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Zellbiologie vergeben.

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Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7-und G20-Gipfel. Sie hat 1.600 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.

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