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Pressemitteilung | Montag, 7. September 2015

Leopoldina ehrt drei herausragende junge Wissenschaftler

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung ihrer Jahresversammlung am Freitag, 18. September 2015, in Halle (Saale) zeichnet die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina drei junge Wissenschaftler aus. Den Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftler erhalten Pascal Beese-Vasbender, Düsseldorf, und Bart Kranstauber, Konstanz, für ihre herausragenden Forschungsleitungen in den Bereichen Marine Mikrobiologie und Zoologie. Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte wird Nils Güttler, Zürich (Schweiz), für seine Dissertation zur Geschichte botanischer Verteilungskarten geehrt.

Dr. Pascal Beese-Vasbender (Jahrgang 1985) hat Meeresbiologie, Mikrobiologie und Meereschemie in Kiel studiert. Für seine Promotion wechselte er 2011 in die Abteilung Grenzflächenchemie und Oberflächentechnik des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung wo er sich zunächst mit der mikrobiell beeinflussten Korrosion von Eisenwerkstoffen beschäftigte und sein Themengebiet später auf die bioelektrische Energieumwandlung ausweitete. In der Arbeit untersuchte er verschiedenste elektrochemische Methoden für das Korrosionsmonitoring. Unter anderem setzte er erstmals eine neuartige Monitoringmethode, die sogenannte „Electrochemical Frequency Modulation“ für mikrobiologische Systeme ein. Seinen Versuchsaufbau für präzise elektrochemische Halbzellenuntersuchungen hat Beese-Vasbender jedoch nicht nur für das Korrosionsmonitoring verwendet. Er konnte damit auch die Vorgänge an der Phasengrenze zwischen den Mikroorganismen und der Elektrodenoberfläche unter Laborbedingungen näher untersuchen. Dabei gelang es ihm, den direkten Elektronentransfer zu den Mikroorganismen nachzuweisen, welche diese für ihren Stoffwechsel benötigen. Er gewann dabei entscheidende Einblicke in Zellmembranbestandteile, welche für den direkten Elektronentransfer verantwortlich sind.

Aufgrund der Fähigkeit dieser Mikroorganismen Elektronen direkt von der Elektrodenoberfläche aufzunehmen, erweiterte Beese-Vasbender seine Arbeiten über sein ursprüngliches Themengebiet der Korrosion hinaus, hin zur mikrobiologischen Elektrosynthese von Methan. Er erkannte, dass insbesondere die methanogenen Archaeen (bakterienähnliche Mikroorganismen) von Nutzen für die Umwandlung von elektrischer in chemische Energie sein können. Diese Erkenntnis könnte zukünftig eine wichtige Rolle in Anwendungsbereichen wie dem Korrosionsschutz und der Energieumwandlung spielen.

Dr. Bart Kranstauber beschäftigte sich bereits in seiner Masterarbeit 2008 an der Universität Groningen (Niederlande) mit der Populationsüberwachung seltener Tierarten durch Fotofallen. Die von ihm dazu entwickelten Methoden finden immer häufiger Anwendung in der wissenschaftlichen Forschung. Die Arbeit ist die Basis für eine quantitative Erfassung der Populationsgrößen und für die Schätzung des Raumbedarfes seltener und oft schwer zu beobachtender Tierarten. Dieses Wissen liefert Informationen zur Interaktionen zwischen Arten und dient dem Schutz und Erhalt seltener Tierarten. Ebenso wichtig stellte sich eine von ihm vor Beginn der Doktorarbeit entworfene Datenstruktur heraus, die das Rückgrat der Tierwanderungsdatenbank Movebank darstellt, mittels derer Bewegungsdaten erfasst, standardisiert und gesichert werden.

In seiner Doktorarbeit im Jahr 2014 am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz hat sich Bart Kranstauber mit der Biologie der in der Movebank gespeicherten Tierbewegungen befasst. Dabei hat er eine wichtige Weiterentwicklung der mathematischen Beschreibung von Raumnutzungsalgorithmen erarbeitet. Außerdem hat er verschiedene Aspekte der Migration von Vögeln in Bezug zu den atmosphärischen Bedingungen wie Windrichtung und -stärke setzen können und die Navigation der Tiere untersucht.

Der Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte geht an Dr. Nils Güttler (Jahrgang 1980) für seine Dissertation „Das Kosmoskop. Karten und ihre Benutzer in der Pflanzengeographie des 19. Jahrhunderts“, mit der der Wissenschaftler 2012 promoviert wurde (erschienen im Wallstein Verlag, 2014). In der Arbeit befasst sich Güttler mit der Geschichte botanischer Verteilungskarten. Er schlägt einen Bogen von den frühen pflanzengeographischen Karten, die noch vor 1800 im Umkreis Alexander von Humboldts entstanden, bis zum späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, einer Zeit, in der sehr viele botanische Kartierungen verlegt wurden. Dabei weist Güttler nach, dass das Kartieren in der Botanik erst lange nach der Erfindung von Verteilungskarten üblich wurde, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals begannen Botaniker damit, das geografische Vorkommen der Pflanzenarten systematisch zu erfassen.

Güttler zeigt, dass Karten als Beobachtungsmedien fungierten, durch die sich die kollektiven Sehkonventionen von Botanikern im Laufe des 19. Jahrhunderts fundamental wandelten. Er weist zudem nach, wie sich in der Interaktion von professionellen und populären Forschungsmilieus im späten 19. Jahrhundert ein lebendiger visueller Diskurs über die Geographie der Pflanzen entwickelte, infolgedessen die kartographische Beobachtung ein wesentlicher Motor für die Formulierung pflanzengeographischer Theorien wurde.

Zu den Preisen: Seit 2009 vergibt die Leopoldina aus Mitteln der Karl-Lohmann-Schenkung einen mit ursprünglich 2.000 Euro dotierten Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und sich durch eine bemerkenswerte Leistung auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet ausgewiesen haben. Durch die Unterstützung des Leopoldina Akademie Freundeskreises e.V. ist der Preis ab 2015 mit jeweils 5.000 Euro dotiert und kann an zwei Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler verliehen werden.
Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte, der den Namen des Wissenschaftshistorikers Georg Uschmann (1913-1986) trägt, zeichnet die Leopoldina eine wissenschaftshistorisch hervorragende Dissertation aus. Gestiftet wurde der Preis im Jahr 1996 von Ilse und Eugen Seibold. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.

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