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Pandemien gestern und heute

Pandemien gestern und heute

Bild: Adobe Stock / DisobeyArt

Ob Pest oder Spanische Grippe – Mundschutz, Isolation und Quarantäne waren schon früher wirksame Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung eines Erregers. Heute stehen uns weitere, technische Mittel zur Verfügung. Daten zum Infektionsgeschehen werden täglich gesammelt, die Durchseuchung der Bevölkerung wird zeitnah erfasst. Auch wird Technik zum erweiterten Schutz eingesetzt. So können Kontaktverfolgungs-Apps eine Risikobegegnung anzeigen und die Unterbrechung von Infektionsketten erleichtern.

Eine der größten Pandemien – die Spanische Grippe

Große Pandemien der Vergangenheit waren die Pest und die Cholera. Drei Pest-Pandemien gab es in der Geschichte in Europa mit mehreren Millionen Opfern. Das Bakterium Yersinia pestis löst beim Menschen Fieber, Gliederschmerzen und Beulen an den Lymphknoten aus, deshalb wird diese Form der Erkrankung Beulenpest genannt. Die Beulenpest kann heute mit Antibiotika behandelt werden. Befällt der Erreger die Lunge, führt er zur Lungenpest und zum Tod.

Für zahlreiche Todesfälle sorgte zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auch die Spanische Grippe. An ihr starben zwischen 1918 und 1920 schätzungsweise 20 bis 50 Millionen Menschen, davon mehr als 400.000 in Deutschland. Das Virus löste Husten, hohes Fieber und Lungenentzündungen aus. Es stammte vermutlich aus den USA, wurde von Soldaten nach Europa gebracht. Die ersten Berichte über diese Krankheit erschienen in Spanien und gaben der Krankheit ihren Namen. Bis heute ist der Ursprung der Zoonose nicht genau geklärt. Man vermutet aber, dass der Erreger von einem Vogelgrippevirus abstammt. Jede Pandemie wirkt in viele verschiedene Lebensbereiche hinein und hinterlässt Spuren in einer Gesellschaft.

Der Medizinhistoriker Alfons Labisch über die Spuren, die Pandemien hinterlassen: „Es gibt Verhaltensänderungen und Nachwirkungen in Gesellschaft, Kunst und Literatur.“

Historische Maßnahmen und moderne Technik

Die Sofortmaßnahmen gegen Krankheitserreger haben sich bis heute kaum verändert. Schon bei der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts nutzten Menschen Tücher als Mundschutz und Essigwasser zum Desinfizieren. Italien sperrte ganze Städte ab, kontrollierte Waren und den Verkehr. Personen mit Symptomen mussten 14 Tage in Quarantäne, Erkrankte wurden in Pesthäusern isoliert. Um den Erreger auszurotten, wurden sogar ganze Städte abgebrannt. Anfang 2020 hat China zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 die Stadt Wuhan und die umliegende Region wochenlang isoliert und in vielen Ländern der Welt wurde das öffentliche Leben für eine gewisse Zeit massiv eingeschränkt. Die Grundlagen für solche Maßnahmen sind heute allerdings völlig anders als im 14. Jahrhundert, da sie sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen können.

Der Medizinhistoriker Alfons Labisch über Sofortmaßnahmen früher und heute: „Heute sind die Maßnahmen wissenschaftlich nachgewiesen.“

Der Medizinhistoriker Alfons Labisch über die Eindämmung von Pandemien: „Reaktionen waren immer abhängig von der Zeit und der Kultur.“

Diese tradierten Maßnahmen werden heute durch technische Möglichkeiten unterstützt. Der Austausch von Infektionszahlen und Forschungsergebnissen zwischen Ländern funktioniert viel schneller, Menschen können einfacher informiert werden, durch sogenannte Kontaktverfolgungs-Apps können Infektionsketten rascher erkannt und unterbrochen werden.

Die Welt wird wohl auch in Zukunft mit Pandemien konfrontiert werden. Es gibt aber Möglichkeiten, das Überspringen von Erregern auf den Menschen zu verringern und so die Ausbreitung von Pandemien einzudämmen. Dazu gehören vor dem Hintergrund des One-Health-Konzepts ein veränderter Umgang mit Wildtieren und Respekt gegenüber ihren Lebensräumen. Darüber hinaus sind Hygienemaßnahmen und Gesundheitskonzepte in Schlüsselregionen sowie im internationalen Flug- und Reiseverkehr sinnvoll, um die schnelle Verbreitung eines neuen Erregers um den Erdball zu verhindern.

Die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff über zukünftige Pandemien: „Die Welt wird immer wieder Pandemie sehen. Auch Corona kam mit Ansage.“

Thomas Mettenleiter, Leiter des FLI, über das Verhältnis von Mensch und Tier: „Wir können die Kontaktmöglichkeiten reduzieren.”

Der Medizinhistoriker Alfons Labisch fordert: „Wir dürfen Pandemien gar nicht erst entstehen lassen – unter der Maßgabe größter Freizügigkeit.“

Der Medizinhistoriker Alfons Labisch sagt: „Wir müssen es wie im 19. Jahrhundert machen. Damals wurden vor allem Industrie- und Schlüsselregionen saniert.“

Thema Pandemien im interaktiven Format

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Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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